Das Ebendorfer Bockerl, oder wie die Einheimischen sagen, das "Andeafa Boggl", ist nun auch in meinen Blickpunkt geraten - und wird also jetzt von mir für eine kleine Modellbahnanlage "verwurstet". Die frühere Existenz dieser 1909 eröffneten Lokalbahn war mir zwar schon längst bekannt, doch hab ich erst durch einen wunderhübschen interessanten Bildbericht von Volker Blees im Historischen Forum der Drehscheibe - Online bemerkt welch ein netter, kleiner und sehr nachbaufähiger Lokalbahnendbahnhof da im oberpfälzischen Land lag. Lag - denn leider "natürlich" ist auch diese Strecke seit dem 31.12.1997 nicht mehr in Betrieb und auch viele der Bauten die ich hier zeige, stehen heute nicht mehr. Bevor ich also etwas näher auf diesen Bahnhof, bzw. meine Planung dazu eingehen werde, möchte ich mich bei Volker Blees, Robert Meissner, Thomas Sulze, Walter Drögemüller sowie Manfred Hösch sehr bedanken, für die Überlassung von Bildern und Grafiken und für die vielen Informationen zur Strecke. Auf folgende Webseiten, www.schrankenposten.de von Volker Blees und www. eisenbahnecke.de von Robert Meissner möchte ich noch hinweisen, auf letztere natürlich auch wegen der ausführlichen Seiten zum Erbendorfer Bockerl, wo der Interessierte sich genauer mit Text und Bild zur Geschichte dieser Strecke befassen kann und wo es auch weitere Gleispläne (z.B. von Erbendorf- Süd) und Bilder der dortigen im entstehen begriffenen und sehr schön gestalteten Modellbahnanlage des Erbendorfer Bockerls gibt. Ich will mich hier aber ausschließlich dem Bahnhof Erbendorf- Nord (in zwei Teilen und zwei zusätzlichen Extraseiten - siehe weiter unten im Text) widmen und so meinem Faible für die Endbahnhöfe kurzer Lokalbahnstrecken Ausdruck verleihen.
Ich habe auch schon bei anderen Gleisplänen hin und wieder einmal versucht mit Weichen die dem Vorbild maßstäblich entsprechen zu planen. In Spur N tut man sich dabei sicher einfacher, ist doch der zusätzliche Platzbedarf einfacher einzuplanen. In HO dagegen ist man sehr schnell am Ende seines Lateins, vorallem wenn man nur knapp 4,60 m Länge zur Verfügung hat. Die sogenannten Weichen Ew 190 - 1:9 um die es hier geht, sind diejenigen Regelweichen der DB die am kleinsten sind. Sie dürfen im abzweigenden Strang nur mit 40 Km/h befahren werden. Der Radius des abzweigenden Gleises beträgt 190 m, der Herzstückwinkel ca. 7°. Für HO bedeutet dies immerhin einen Abzweigradius von ca. 2,18 m. Gegenüber den gebräuchlichen Radien der handelsüblichen Weichen von 0,9 m bis zu 1,5 m (Roco, Tillig, Peco) braucht es also einiges mehr an Längenzentimetern. Besitzt man nun keinen großen Keller, keine Kegelbahn oder baut kein Wunderland in Lagerhausgröße - dann braucht es ein geeignetes Vorbild um da noch etwas sinnvolles auf kleiner Fläche zu bauen und evtl. damit Betrieb zu machen.
Aber um es gleich vorweg zu nehmen, man kann sich
an solche Gedankenspiele, bzw. Gleisplanungen sehr
gewöhnen !
Erbendorf- Nord bietet sich also für ein betriebsfähiges Bahnhofsdiorama durchaus an. Ausgestattet war der Endbahnhof eigentlich mit allen nötigen Anlagen, wie bei den bayrischen Eisenbahnen so üblich. Güterschuppen, Freiladestraße mit Gleiswaage, Kopf,- Seitenrampe, ein einständiger Lokschuppen mit Übernachtungsanbau, einem Kohlebansen - später eine Dieseltankstelle, früher gab es wahrscheinlich eine Pulsometeranlage im Lokschuppen zur Wasserbetankung. Der Lokschuppen hat auch nach der Dampflokzeit noch länger gestanden, er soll um 1982 herum abgerissen worden sein. Der Verkehr auf der nur gut 6,4 Km langen Lokalbahn war durchaus nicht eintönig. Anhaltspunkte für die Gestaltung des Betriebes bieten die Fahrpläne (von 1953, 1967, 1971) auf einer Extraseite, auf der vor allem die höchst interessanten Buchfahrpläne von allen fahrplanmäßig verkehrenden Zügen der Strecke im Fahrplanjahr 1971 zu finden sind. Neben den Personenzügen, die auch als Güterzüge mit Personenbeförderung (GmP) unterwegs waren, gab es auch reine Güterzüge, Nahgüterzüge (Ng), später auch Übergaben (Üg) genannt. Lokomotivbaureihen wie 98.3 (Foto), 98.4-5 (Foto), 70.0, 64, Köf II und Köf III waren hier zu Hause. Bilder davon sind hier auf www.eisenbahnecke.de zu finden. Sicher werden auch mal V100 oder V60 zu Besuch gewesen sein. Triebwagen verkehrten hier planmäßig aber nicht - Sonderfahrten einmal ausgenommen. Die Personenzüge waren aus ein bis zwei Donnerbüchsen gebildet, dazu ein Pwg als Packwagenersatz und als Güterzugbegleitwagen. Der Bf. Weiden hatte übrigens noch bis 1976 drei Donnerbüchsen im Bestand. Bis zum 27.5.1972 fuhren solche Züge noch nach Erbendorf.
Danach gab es wenigstens noch Güterverkehr bis zum 31.12.97. Zahlreiche Gleisanschlüße in Erbendorf (im Nordbahnhof und Südbahnhof) waren zu bedienen. Oft mußten die Güterzüge sogar Wagen auf der Strecke zurücklassen, da die Lokomotiven mit der Last nicht klarkamen, denn die Strecke wies einige Neigungen auf. So z.B. auch der kurze Abschnitt zwischen dem Nord- und dem Südbahnhof, wo selbst die Köf III bei schlechten Witterungsbedingungen Probleme hatten und auch die Dampfloks früher sicher ordentlich Dampf machen mußten um zum Nordbahnhof hinauf zu kommen. Die zuerst eingesetzte Köf II wich so der stärkeren Köf III, erstere war zu oft überfordert auf den Steigungen. In Erbendorf- Nord waren es vor allem das Raiffeisenlagerhaus und die Porzellanfabrik "Seltmann" die noch bis zum Schluß immer wieder einen relativ regen Güterverkehr ermöglichten. Genauere Informationen zum Erbendorfer Lagerhaus der Raiffeisen und zum Landhandelswesen generell, gibt es auf einer weiteren Extraseite mit zusätzlichen Bildern. Während das Raiffeisenlagerhaus unmittelbar am Bahnhof selbst lag, war die Porzellanfabrik etwas abseits des Bahnhofes gelegen. Das Anschlußgleis zweigte ca. 100 m vor dem Bahnhof ab, fiel dabei ab, unterfuhr eine Straße, um dann in das Werksgelände zu führen. Es hat hier sogar eine kleine (wirklich kleine) Werkslok gegeben, die allerdings ihr Wesen nur auf dem Werkseigenem Teil des Anschlußgleises verbreiten durfte. Üblicherweise stellte die DB selber die Wagen per Sperrfahrt dem Anschliesser zu. Angeliefert wurden hier Kaolin, Feldspat und Quarz und weitere Bestandteile zur Porzellanherstellung. Siehe dazu genaueres in der Wikipedia. Abtransportiert wurden dann die fertigen Erzeugnisse wohl auch per Bahn.
Leider ist der Gleisanschluß zur Porzellanfabrik auf dem mir zur verfügung stehenden Platz nicht wirklich gut unterzubringen, geschweige denn zu gestalten. So habe ich mich bei meinem Plan dazu entschieden ihn wegzulassen. Den Verkehr aber wollte ich dennoch simulieren können. Und so kam ich auf den Gedanken, ein Gleis der Schiebebühne (meines "Fiddelyard´s") zum Werksanschluß umzuwidmen. Fünf Gleise hat die Bühne, eines muß als Umfahrgleis herhalten, bleiben 3 für die Zuggarnituren. Ausreichend denke ich für eine solch kleine Anlage. Wichtig ist ja das der Verkehr nachgespielt werden kann. Nur das Rangieren im Werksgelände entfällt also. Verzichten muß ich bei diesem Plan auch auf Strecke. Knappe 65 cm Gleis bleiben von der letzten Weiche bis zum Ende des Bahnhofsdioramas. Die brauche ich zum einen um die Strecke mittels eines leichten Bogens am Segmentende im 90° Winkel auf den Segmentübergang zum Schattenbahnhof treffen zu lassen. Es passen gerade ein Bahnübergang hin und einige Büsche und der eine oder andere Baum um das Streckengleis zum Segmentende hin etwas zu tarnen (wenn es durch die Huntergrundkulisse zur weiten Welt geht). So richtig Züge fahren sehen kann man auf diesem Diorama also eher nicht...
Natürlich mußte ich auch probieren mit welcher minimalen Anlagentiefe man Erbendorf in HO umsetzen kann. Der Hintergrund des Dioramas sollte möglichst aus Gebäuden (im Halbrelief) sowie aus Bäumen und Gebüsch bestehen. Das hieß, daß die Freiladegleise zum Anlagenvordergrund hin zu liegen kommen würden. Sicher auch gut für das Rangieren (Kuppeln ohne Hindernisse). Andererseits hatte ich so aber auch das Problem das Empfangsgebäude und den Güterschuppen am Anlagenvordergrund zu positionieren. Sicher - wenn man es will wären einige Zentimeter mehr an Anlagentiefe sehr erleichernd. Es ist schon eine Zentimeterfuchserei die ich veranstallte. So aber geht es wahrscheinlich (?!) auch. Diagonaler Gleisverlauf, dafür das Raiffeisenlagerhaus als eher flaches Halbreliefgebäude (auch ein schöner Hintergrund weil ein recht hohes, dominantes Gebäude). So gab es Platz für das Stationsgebäude - welches ich mir abweichend vom Vorbild als Typ "Ebermannstadt" vorstelle. So ganz kann ich das abwandeln denn doch nicht sein lassen. Eventuell ist das originale Stationsgebäude sogar etwas platzsparender, weil weniger tief. Weiter geht es im Erbendorfer Nordbahnhof im zweiten Teil Diese Seite ist Teil der Webseite www.lokalbahn-reminiszenzen.de |