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Bahnhof Stadtlauringen der Lauertalbahn, Teil 1

Die Lokalbahn von Rottershausen nach Stadtlauringen ist den meisten sicher eher unbekannt. Diese knapp 17 Km lange Lokalbahn war ein Jahrhundertkind - doch ein langes Leben war ihr nicht beschieden, denn sie wurde schon 1960 komplett stillgelegt und anschließend abgebaut. Es ist also nicht verwunderlich wenn die Bahn nicht so bekannt ist wie zB. die Spalter Lokalbahn oder die Strecken um Ebermannstadt es sind. Vielleicht liegt es auch an der relativen Abgeschiedenheit der Gegend, der eher unspektakulären Landschaft (die bei weitem nicht ohne Reize ist) oder am fehlen von überegional bekannten Attraktionen. Jedoch ist sie eines der vielen Paradebeispiele für den ländlichen und beschaulichen Lokalbahnverkehr in Franken - in der goldenen Vergangenheit der Bahngeschichte. Und darum als Vorbild für die Modellbahn geeignet, wenn man es eben eher beschaulicher mag.

98886 der Museumsbahn Fladungen unterwegs

Vorab jedoch möchte ich mich ganz besonders herzlich bei Robert Zintl, Hartmut Riedemann, Dietmar Parakenings und bei Jürgen Dill für die Hilfe und Unterstützung bei der Recherche, für Bilder und Pläne bedanken. Auch diesmal gilt - ohne sie wäre ich nie und nimmer soweit gekommen ! Auf Jürgen Dill`s Webseite findet der Interessierte übrigens ein Streckenportrait der Lauertalbahn, mit Fotos von allen Bahnhöfen und dem Tunnel in Rottershausen, Stellwerken in Rannungen und seinen schönen Lauertalbahnmodule in Spur N. Desweiteren sei hier noch auf die Seite des Marktes Stadtlauringen hingewiesen und auf die benachbarte Museumseisenbahn in Fladungen die zum Fränkischen Freilandmuseum Fladungen gehört, der man nur viel Glück und Erfolg wünschen kann mit ihrer Gtl 4/4. Hier kann man noch erleben was Eisenbahn -, besser Lokalbahn fahren einmal hieß, wie das schöne Bild von Sven Jünger oben eindrucksvoll zeigt !

Streckenkarte und Höhenprofil
Übersichtskarte aus einem alten DB Kursbuch links zeigt die benachbarten Strecken - und rechts das Höhenprofil der Lokalbahn. Die kleinen wie "abhängende Mücken" aussehenden Zeichen im Höhenprofil
bezeichnen Unterführungen. Der Pfeil deutet wohl auf die starke Steigung hin.


Streckenkarte der Lauertalbahn mit den wichtigsten Orten der Strecke. In Rot eingezeichnet : in etwa der Standort vom Gelände der Munitionsfabrik mit dem Gleisanschluß.

Die Strecke (siehe Streckenkarte oben) wurde ab 1899 gebaut und am 2. August 1900 feierlich mit allem drum und dran (wie damals üblich) von der Bayerischen Staatsbahn eröffnet. Vorab gab es langjährige Bemühungen um eine Strecke in das Lauertal die aber ergebnislos verliefen, ähnlich der Gefreeser Strecke. Am 6. August 1900 später nahm die Bahn den planmäßigen Betrieb auf. Die Kosten für Grunderwerb und Streckenbau betrugen 733.805 Goldmark. Die Strecke war 16,9 Km lang und bot keine besonders großen schwierigkeiten beim Bau. Nur wenige kurze Brücken und Bahnübergänge waren einzuplanen. Die Kilometrierung der Strecke galt vom Bahnhof Rottershausen an, d.h. 2,2 Km waren der Hauptbahnmitbenutzung zugerechnet. Sie begann im Bahnhof Rottershausen, der bemerkenswerter Weise einen Extrabahnsteig für umzuladene Stückgüter hatte. Der Stückgutbahnsteig wird wahrscheinlich um 1927 erbaut worden sein, da um diese Zeit Gleisarbeiten am Tunnel bei Rottershausen stattgefunden haben. Im Güterzugfahrplan der zwanziger bis dreißiger Jahre verzeichnet ist ein Leiggüterzugpar für den schnellen Stückgutverkehr zwischen Schweinfurt und Grimmenthal, der anfangs mit einer 73.0 (bay DXII), später wohl einer P8, bespannt verkehrte (Dank an Tobias). Mehr zum Stückgutschnellverkehr bei Wikipedia. Nach 1945 war das natürlich vorbei. Nur wenige weitere Gleise waren für das Rangieren der Nebenbahnzüge nötig bzw. wurden beim Bau der Lokalbahnstrecke in Rottershausen an den bestehenden Bahnanlagen ergänzt. Einen Kohlebansen zum Bekohlen der Lokalbahnloks gab es natürlich auch noch. Zeitweise lag auch hier die Betriebsführung für die Lokalbahn, nachdem man sie aus Stadtlauringen abgezogen hatte.


Rottershausener Gleisplan zu Zeiten der DRG, vermutlich ende der zwanziger Jahre. Bemerkenswert der Bahnsteig zum Umladen für Stückgüter.

Ausgangspunkt Bf. Rottershausen
Rottershausen - heute ein ehemaliger Bahnhof auf der grünen Wiese war der Ausgangspunkt für die “Lauermärt”. Halten tut hier nichts mehr, es gibt nun einen Haltepunkt der näher am Ort selber liegt ...

Die Züge der Lokalbahn benutzten also zunächst auf 2,2 Kilometern (in nördlicher Richtung) die Hauptbahngleise der Strecke Schweinfurt - Meiningen mit. Auf diesen Gleisen durchfuhr sie auch den 400 m langen Rottershäuser Tunnel, kurz hinter dem Bahnhof Rottenhausen. Erst an der Abzweigstelle Rannungen bekam die Bahn eine eigene Trasse. Rannungen war vor dem Bau vermutlich eine einfache Zwischenblockstelle der Hauptbahn, später stand dort ab den dreißiger Jahren das Stellwerk für den Gleisanschluß der Munitionsfabrik. Am Bahnhübergang befand sich der Bahnwärterposten 10. Der Bahnübergang war übrigens zuletzt sogar von Rottershausen aus ferngesteuert, die Bauern die ihn benutzten hatten sich anzumelden und abzumelden. Hier gab es auch zeitweise eine Bedarfshaltestelle der Lokalbahn die 1939 nicht, aber 1953 und 1959 im Kursbuch auftauchte und dort bei Km 2,2 verzeichnet wurde. Diese muß nahe bei der Abzweigstelle nach 1939 eingerichtet worden sein. 300m entfernt vom Lokalbahnabzweig gab es ab den dreißiger Jahren einen Gleisanschluß an der Hauptstrecke zu einer Munitionsfabrik - aber dies gehört eher ins militaristische Geschichtsbuch und hatte nur wenig mit der Lokalbahn zu tun. Hier sollen bis Kriegsende zwei Diesellok der Wehrmacht vom Typ V36 stationiert gewesen sein, sie sollen gar auch auf der Lauertalbahn zum Einsatz gekommen sein, jedoch kann ich dazu noch nichts genaueres berichten. Nach dem Krieg jedenfalls war das eher Geschichte. Die Lokalbahn überquerte dann nach verlassen der Hauptstrecke einen Höhenzug (Höhenprofil der Strecke siehe zweites Bild von oben), wobei dieser Streckenteil zu den steilsten der Lokalbahn gehörte, mit Neigungen von bis zu max. 2.9 %. Danach ging es hinab in das Lauertal, welches bei Poppenlauer (Km 7,0) erreicht wurde. Der Flußlauf war auch Namensgeber der Bahn - im Volksmund hieß es liebevoll die “Lauermärt”, wenn man von der Lokalbahn sprach.


Gleisplan von der Zwischenblockstelle Rannungen. Diese war mit Signalen für die Streckensicherung ausgestattet. Man verzeihe mir wenn ich die Signale nach den bei der DRG bzw. DB gängigen Symbolen gezeichnet habe, denn natürlich standen hier einst bayrische Signale.

Dem Flußlauf folgte die Strecke nun aufwärts in´s Vorland der Haßberge bis Stadtlauringen. Die Halbmesser der Kurvenradien gerieten nicht unter 200m auf der gesammten eingleisigen Strecke. Die Zwischenstationen Poppenlauer (Km 7,0) und Maßbach (km 10,0) waren aus steinernen Stationsgebäuden - den sogenannten "bayrischen Würfeln" aus Zylopensteinwerk errichtet, durchaus ein standartisierters Gebäude bei der bayrischen Staatsbahn in verschiedenen Größen (je nach Strecke und Bedeutung). Beide Stationen wiesen ähnlichkeiten auf, bei den Nebengebäuden mit WC und den aus Holz angebauten Güterschuppen. Poppenlauer besaß eine Kopf- Seitenrampe und eine Gleiswaage. Der Bahnhof lag etwas abseits des Ortes. Maßbach hatte eine längeren erhöhten Holzlagerumschlagplatz (Gleisnutzlänge 40m) mit Kopframpe, einer Gleiswaage und einem Lademaß (wegen der Holztransporte) und einen Pulsometerschacht zur Wasserverorgung der Lokomotiven. Dies war die Station mit dem meisten Güterumschlag nach Stadtlauringen, zumal Massbach auch eine "größere" Ortschaft mit einiger Bedeutung war - zumindest im Vergleich mit Poppenlauer oder Rothhausen. Vieler dieser kleinen Ortschaften sind schon seit Jahrhunderten namentlich bekannt, bzw. in irgendwelchen Urkunden erwähnt worden wie Maßbach oder Rothhausen, jedoch sind sie im Laufe der Zeit in ihrer Entwicklung wieder zurückgefallen oder stehengeblieben und sind heute kleine beschauliche Dörfer. Und niemandem würde es heute in den Sinn kommen hier eine Eisenbahn betreiben zu wollen.

Stationsgebäude Poppenlauer heute
Station Poppenhauer, die erste Zwischenstation der Lokalbahn. Das Gebäude zeigt sich gepflegt und schön anzuschauen. Im Schatten am hinteren Ende des Gebäudes zu erahnen der Güterschuppen mit Laderampe.

Stationsgebäude Maßbach heute
Massbach oder Maßbach wie es heute geschrieben wird. Sieht auch noch gut aus, ist aber von Straßenbauplänen bedroht und steht leer. Das Nebengebäude (WC) wurde schon zerlegt. Hier befand sich die "größte" Zwischenstation. Es war der gleiche Gebäudetyp wie in Poppenlauer.

Rothhausen (km 14,4) wies dagegen eines der so typischen bayrisch / fränkischen hölzernen Agenturgebäude auf, bei denen der Güterschuppen im Gebäude mit integriert war und die man an vielen anderen Nebenbanstrecken in Bayern so oder so ähnlich früher finden konnte. Das Agenturgebäude in Rothhausen ist übrigens ebenfalls von Pola als Modell nachgebildet worden. Rothhausen trug das Kürzel Ag für Agentur, was soviel bedeutet, daß die Station von jemandem im Auftrag der Bahngesellschaft betreut wird, also nicht wie ein Bahnhof mit Bahnbeamten besetzt ist. So ähnlich wie heute die vielumstrittenen Postagenturen auf dem Lande, war auch in etwa die Agenturstation ein Behelf um den Fahrgästen wenigstens das Nötigste an Service zukommen zu lassen. Man konnte Fahrkarten lösen und Frachtstücke in Empfang nehemen oder Aufgeben. Und der meist aus der lokalen Bevölkerung rekrutierte Bahnagent (oft Gastwirte) wurde von der Bahn auch anders vergütet (weniger als die Beamten). Er wohnte auch nicht wie die Bahnbeamten im Bahnhof, damit konnte das Agenturgebäude auf einen Wohnteil verzichten. Es gab einen Warte- und Schalterraum, ein Trockenabort, einen Dienstraum mit der angebauten Güterhalle und eine Stückgut und Viehladerampe. Schließlich im Keller einen Requisitenraum. Unterhalb solch einer Agenturstation lag eigentlich nur noch der unbesetzte Haltepunkt. Dort half einem allein der Zug wenn er kam und sonst der liebe Gott ...

Agenturgebäude Rothhausen heute
Das hübsche Agenturgebäude von Rothhausen, ein weit verbreiteter Typ eines Lokalbahngebäudes in Bayern und Franken. Es wirkt gepflegt und wird hoffentlich noch lange stehen ...

Gleisplanskizzen der Unterwegsbahnhöfe

Die Gleisanlagen waren, wie man auf der oberen Abbildung sehen kann, also eher sparsam ausgelegt. Das sich daran auch bis zur Betriebseinstellung nichts weiter änderte, zeigt nur das es um den Gütertransport nicht zum allerbesten bestellt gewesen sein kann. In Rothhausen war gar nur ein Stumpfgleis verlegt worden, so daß der Zug nur auf der Tour nach Rottershausen hier Wagen abstellen oder abholen konnte. Jürgen Dill hat ein schönes Modul der Station in Spur N gebaut, auf dem man die frühere Station gut überblicken kann. Zugkreuzungen dürften auf den beiden Zwischenstationen Poppenlauer und Maßbach auch eher nicht vorgekommen sein, denn die Gleislängen erscheinen mir etwas arg knapp für solche Manöver, die sowieso nur in absoluten Ausnahmefällen vorgekommen sind. In Stadtlauringen wäre dies etwas anderes gewesen. Private Gleisanschließer für die seperate Gleise verlegt hätten müssen gab es sonst weder unterwegs noch an den anderen Zwischenstationen. Lediglich Stadtlauringen, als Betriebsend- und Mittelpunkt wies also etwas umfangreichere Gleisanlagen mit zwei privaten Gleisanschlüssen auf. Und diesem Bahnhof will ich mich - so gut es geht - etwas näher widmen.

Eg und Baywa Silo in Stadtlauringen
Recht imposant wirkt diese Ansicht der ehemaligen Bahngebäude in Stadtlauringen. Hinter dem Silo verbirgt sich das schöne alte Lagerhaus mit seinem Fachwerk. Eigentlich fehlt gar nicht viel und man meint in der
Nähe eine Bahn zu sehen ...

Über den Markt Stadtlauringen - welches seit der Gebietsreform 1978 aus zehn ursprünglich eigenständigen Ortsteilen besteht (u.a. Oberlauringen und Stadtlauringen), lässt sich relativ wenig finden, ein paar wenige Bilder auf der Webseite des Marktes die die Fachwerkhausfassaden des Marktes zeigen. Eine erste urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahre 794 bekannt. 1484 wurden dem Ort "Lauringen" von Fürstbischof Rudolf zu Scherenberg die Stadt- und Marktrechte, sowie die Gerichtsbarkeit verliehen.Seit dieser Zeit heißt der Ort "Stadt Lauringen". Zurückgegeben wurden die Stadtrechte im Jahre 1818, das Marktrecht konnte beibehalten werden. Stadtlauringener WappenDas Stadtlauringener Wappen findet seine Darstellung aus der Zeit der Stadtrechtsverleihung. Bekannt aus dem Jahre 1520 zeigt es auf Silber ein durchgehendes rotes Prankenkreuz, dessen Querarm links in einer Hand endet und damit das Marktkreuz darstellt und die Gerichtsbarkeit im rechten unteren Winkel durch ein gestürztes silbernes Schwert mit goldenem Griff.Stadtlauringen liegt an der Lauer, einem Bach der in Oberlauringen entspringt und bei Niederlauer in die Fränkische Saale mündet. Im Bereich des Gemeindeteils Altenmünster liegt der Ellertshäuser See. Dieser Stausee ist mit 33 ha Fläche der größte See Unterfrankens. Im Nordosten der Marktgemeinde liegen die Haßberge. Dort befindet sich mit dem Laubhügel die höchste Erhebung sowohl der Haßberge, als auch des Marktes und des Landkreises Schweinfurt. Stadtlauringen hat ein schönes Fachwerkensemble mit Rathaus rund um den mittelalterlichen Marktplatz, sowie eine renovierte historische Amtskellerei mit Amtshaus, Schüttbau, Fürstenbau und Zehntscheune. Der Markt zählt heute ca. 4500 Einwohner, wird also vor Jahrzehnten (vor den Eingemeindungen) vermutlich weniger Einwohner gehabt haben.

Station von der Strassenseite gesehen
Die Straßenansicht des Stationsgebäudes, der Eingang war offensichtlich an der Seite oder Gleisseite. Beim Anblick solch alter Gebäude wünscht man sich das auch heute ähnlich naturverbunden und entspannend fürs Auge gebaut werden würde ...  

Weiter geht es im Stadtlauringer Bahnhof im zweiten Teil

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