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Bahnhof Stadtlauringen der Lauertalbahn, Teil 3

Vorab möchte ich mich ganz besonders herzlich bei Robert Zintl, Hartmut Riedemann, Dietmar Parakenings und bei Jürgen Dill für die Hilfe und Unterstützung bei der Recherche, für Bilder und Pläne bedanken. Auch diesmal gilt - ohne sie wäre ich nie und nimmer soweit gekommen ! Auf Jürgen Dill`s Webseite findet der Interessierte übrigens ein Streckenportrait der Lauertalbahn, mit Fotos von allen Bahnhöfen und seinen schönen Lauertalbahnmodule in Spur N. Desweiteren sei hier noch auf die Seite des Marktes Stadtlauringen hingewiesen. Und nun geht es weiter mit dem dritten Teil der Lauertalbahn und dem Bahnhof Stadtlauringen ...

98 835 im Herbst 1958 in Sadtlauringen
Ein weiteres Bild von R. Zintl welche er allesamt im Herbst 1958 in Stadtlauringen machte. Schön zu sehen
das Stationsgebäude (ähnlich dem in Maroldsweisach) und die "Nebensächlichkeiten" die so viel Atmosphäre ausmachen, wie die Lampen und Zäune. 98 835 vernebelt derweil kräftig das Bahnhofsgelände.
Bild mit freundlicher Genehmigung von R. Zintl jun.

Zum unten gezeigten Bildfahrplan muß ich auch noch ein paar Worte sagen.
Bei der Betrachtung wird man sehen, daß nur eine Zuglok für das tägliche regelmäßige Zugangebot vorgehalten werden brauchte. Diese pendelte also zwischen Rottershausen und Stadtlauringen hin und her. Zugkreuzungen gab es keine - zumindest keine planmässigen. Wenn, dann waren diese nur in Poppenlauer, Maßbach (theoretisch) und Stadtlauringen möglich, weil diese Stationen über eine Ausweiche verfügten. Zumindest Stadtlauringen besaß als Einfahrsignal eine Trapetztafel. Sonst gab es auf der Strecke keine beweglichen Signale, lediglich der Abzweig Rannungen und (selbstverständlich) die Hauptstrecke bis Rottershausen waren Signaltechnisch entsprechend aufwändig ausgestattet um schlimme Unfälle zu verhindern. Die Strecke wurde im vereinfachten Zugleitbetrieb betrieben. Allgemeines zum Zugleitbetrieb hatte ich
hier schon für die Gefreeser Lokalbahn geschrieben. Das bedeutete übrigens auch auf der Lauertalbahn, daß die ankommenden Züge in Stadtlauringen immer eine Meldung an die Zugleitung (den zuständigen Fahrdienstleiter - vermutlich in Rottershausen oder Rannungen) machen mußten und die abgehenden Züge die Erlaubnis zur Abfahrt auch erst von dort eingeholt werden mußte. Allerdings dürfte dies bei dem eher geringen Verkehrsaufkommen keine großen Probleme gemacht haben. Erst recht nicht in der Nachkriegszeit, als auch die Hauptbahn nach Meiningen durch die Schließung der Zonengrenze bei Mühlfeld einen großen Teil des Verkehrs verlor. Auch unplanmäßige Zugkreuzungen mußten übrigens so vom Fahrdienstleiter genehmigt werden.

Bildfahrplan 1957
Bildfahrplan vom Sommer 1957 - nach Unterlagen der DB selber gezeichnet (!). Er beinhaltet alle Züge,
sowohl Werktags als auch Sonn- und Feiertags. Die Abkürzungen bedeuten :
P = Personenzug, lokgeführt; Ng = Nahgüterzug; Gmp = Güterzug mit Personenbeförderung;
Lpaz = Lokleerfahrt mit Gepäckwagen; w = Werktags (Montag - Samstag); S = Sonn- und Feiertags.
Ein x bei der Zeitangabe bedeutet der Zug hält an dieser Stelle nur bei Bedarf;
durchgezogene Linien = Der zug verkehrt regelmäßig; gestrichelte Linie = Zug verkehrt nur bei Bedarf;
Linie mit Kreis = Leer- und Dienstzüge.

Streckenband
Streckenband der Lokalbahn nach Unterlagen der DB von 1957

Ein weiteres zum Bildfahrplan, bei dem noch nicht recht klar ist wie es im Alltg damals ablief :
Die Zuglok des Ng 8451, der als Bedarfszug morgens verkehrte, ist nicht diejenige die dann - nach nur 5 Minuten Auffenthalt in Stadtlauringen - den P 3580 w übernahm. Dies wäre zuwenig Zeit um zu rangieren, Wagen zuzustellen, Personenwagen zu holen, evtl. vorzuheizen und den Personenzug zur Abfahrt bereit zu stellen. Was also bedeutet, daß für den morgendlichen Bedarfsgüterzug eine andere Lok eingesetzt wurde als die Streckenlok - nur wie kommt die Lok wieder nach Rottershausen ? Vermutlich in dem Korridor der durch den sonntäglichen Zug geschaffen ist (der P 3582 S), denn auch Werktags fuhr kein Zug zu dieser Zeit. Auch ist nicht ganz klar um welche Lokbaureihe es sich gehandelt haben könnte (98.8 oder 86). In mir vorliegenden Umlaufplänen vom Bw Schweinfurt (Dank an Hartmut Riedemann) jedenfalls tauchen die Bedarfs Ng und auch die abendlichen Ng und Lpaz nicht auf. Die sind also von anderen Lokomotiven gefahren wurden. Sicher ist dagegen, daß der weitere Transport der Güterwagen zwischen Schweinfurt und Rottershausen morgens und abends von einer Lok der Baureihe 50 per Ng getätigt wurde, die zumindest bis Bad Neustadt kam. Und die Bedarfszüge nach Stadtlauringen ? Nun wahrscheinlich ein Fall für die Reservelokomotiven die für den Fall der Fälle bereit standen. Aber - wer steckt schon in jedem Detail von betrieblichen Dingen die 50 Jahre und mehr zurückliegen. Und wer weiß schon was vor Ort nicht alles gemacht oder getan wurde was in keinem Plan steht ?!

98 835 in Stadtlauringen 1958
Federvieh und ein Dampfbock, wohl nur auf Lokalbahnen so zu finden. Wieder 98 835 wartend auf die
Abfahrt. Links spitzt das Nebengebäude (für Abstellräume und WC) hervor, im Hintergrund einige Gebäude
des Ortes. Frage : Ob sich die Gänse wohl verflüchtigen wenn die Lok zur Fahrt ansetzt ?
Bild mit freundlicher Genehmigung von R. Zintl jun.

Nachdem bereits ab 1958 an Sonntagen eine Bahnbuslinie die Bedienung übernommen hatte, wurde der Personenverkehr auf der Schiene mit Ende des Sommerfahrplans 1959, am 4. Oktober 1959, auch werktags restlos eingestellt. Dessen frühes Ende ist vor allem auf die schon vor der Eröffnung jahrelang umstrittene Streckenführung zurückzuführen, die nicht dem Verkehrsbedürfnis entsprach. Denn Ziel der meisten Reisenden war die Stadt Schweinfurt, die man schon seit 1948/49 leichter mit Omnibussen auf kürzerem Weg erreichen konnte. Während die direkt nach Schweinfurt führenden Buslinien von privaten Unternehmen in der Bevölkerung ab den fünfziger Jahren dank ihrer flexiblen Fahrplan- und Routengestaltung, die auch direkt in die Ortschaften hineinführten, immer mehr Beliebtheit fanden, wurde bei der Deutschen Bundesbahn schon über die Stillegung der Lokalbahn nachgedacht. In den Gemeinden des Lauertales entwickelte sich aber Widerstand, hoffte man doch gerade in Stadtlauringen ganz besonders auf die geplante (und später wieder verworfene) Bundeswehr-Garnison. Die Gemeinde wäre sogar bereit gewesen, einmalig
DM 50 000,- zu zahlen, um die bevorstehende Stillegung abzuwenden. Letztlich wich der Kampf um den Fortbestand der Bahnlinie der Resignation, nachdem 26 Protestschreiben an Minister, Gremien und Behörden ohne jegliche Antwort blieben. Ein Ablauf, der leider bis heute recht aktuell geblieben ist.
Siehe auch diesen Artikel, bzw. Diskussion bei DSO zum Nebenbahnsterben.

Auch die Lage Stadtlauringens im Zonenrandgebiet und evtl. Fördermaßnahmen halfen damals nicht weiter. Seit 1951 gab es in der BRD durch die Teilung Deutschlands erste Maßnahmen zur Förderung der Zonenrandgebiete, ab 1954 mit Geldern des Bundeshaushaltes in Höhe von 120 Mio. DM, 1965 wurde die Zonenrandförderung dann zu einem Grundsatz der Raumordnungspolitik erhoben, diese Maßnahmen hatten auch Auswirkungen auf die Bahnstrecken in den Gebieten, die zB. Streckenstillegungen verhinderten. Grob gesagt wurden diese Gebiete subventioniert. Allerdings nicht die “Lauermärt”. Der schlechte Zustand der Gleisanlagen hätte zudem umfangreiche Investitionen erforderlich gemacht, andererseits lag zuletzt das werktägliche Beförderungsvolumen bei gerade mal 60 Tonnen (gut vier Wagen) und ca. 210 Personen. Ein Kostendeckungsgrad von 30% und ein jährliches Defizit von ca. 210.000 DM verhießen nichts gutes. Am 3. Oktober 1959 dampfte daher der letzte Personenzug durch das Lauertal. Auch der Güterverkehr überlebte nicht mehr lange, er endete am 1. April 1960, nachdem er schon vorher aus technischen Gründen auf die Straße verlegt worden war. Die Strecke, auf der stets nur Dampflokomotiven zum Einsatz gekommen waren, wurde im folgenden November 1960 mit sämtlichen Bahnanlagen abgebaut. Die beiden Lokomotiven 98 877 und 98 1117 transportierten abwechselnd die mit den Gleisjochen beladenen Wagen aus dem Lauertal ab. Der Abschluß der Rückbauarbeiten war dann zum 04.01.1961.

Abschließend noch einige weitere Bilder des Jetztzustandes von Dietmar Parakenings. Zuerst zwei Bilder aus Rottershausen. Eine Aufnahme vom Eg und eine mit Blick vom Eg in die Fahrtrichtung nach Stadtlauringen, dann zwei Bilder aus Poppenlauer, mit dem Güterschuppenanbau etwas deutlicher im Bild und dem Nebengebäude bzw. WC - das noch aus der Anfangszeit der Bahn stammt. Es folgen zwei Fotos aus Maßbach. Eines welches zeigt das daß Eg dort in nicht allerbestem Zustand ist, zugleich ein Blick auf den Güterschuppenanbau. Und ein Blick auf das ehemalige Bahnhofsgleisgelände von Maßbach - und steht dort nicht sogar noch eine richtige Bahnhofsleuchte aus Reichs- bzw. Bundesbahnzeiten am Wegesrand herum ? Man mag es kaum glauben. Und schließlich zwei Bilder aus Rothhausen, eines vom Lagerschuppen der gut renoviert ausschaut. Dieser stand nicht direkt bei den Gleisen, sondern an der Freiladestrasse. Das letzte Bild dann mit einem Blick auf die frühere Trasse richtung Stadtlauringen ...

Eg in Rottershausen
Hier das Eg Rottershausen in voller vergangener Pracht (man beachte die Schriftart des Bahnhofsnamens).

Rottershausen Blickrichtung Rannungen
Rottenhausen mit Blickrichtung Rannungen - heute kein Bahnhof mehr wie man sieht ...

Poppenlauer Eg mit Gsch
Poppenlauer mit Gütterschuppen

Poppenlauer Toilettenanlage
Poppenlauer Nebengebäude (Toilettenanlage)

Massbach mit Gsch
Massbach mit angebauter Güterhalle

Massbach Bahnhofsgelände
Bahnhofsgelände von Massbach (man beachte die Leuchte im Hintergrund !)

Rothhausen Lagerschuppen
Rothhausener Lagerschuppen

Rothhausen Blickrichtung Stadtlauringen
Alte Trasse bei Rothhausen - nur noch zu ahnen ...

Heute erinnern leider (aber immerhin) nur noch die erhaltenen Stationsgebäude in Poppenlauer, Maßbach, Rothhausen und Stadtlauringen an die “Lauermärt”. Auch am ehemaligen Abzweig Rannungen sind beide Stellwerke (das zweite für den ehemaligen Anschluß an der Hauptbahn zur Munitionsfabrik) erhalten geblieben. Wer mag kann die Trasse weitgehend abfahren, per Auto oder besser mit dem Rade, denn die Landschaft ist durchaus schön und auch die kleinen Orte werden ihre Reize haben. Oder man verfolgt die Trassenreste mit einem der gängigen Satelitenbildprogrammen. Mittlerweile gibt es auch eine sehr schön bebilderte Streckenreise des heutigen "Streckenzustandes" zwischen Rottershausen und Stadtlauringen auf dieser Teilseite der Webseite von F. Zimmermann "spurensuche-eisenbahn.de", als Ergänzung zu meinen Seiten nur zu empfehlen! Schlußendlich will ich noch bemerken, daß es schon berkenswert ist, daß sich nach so vielen Jahren doch noch einiges von der Strecke an Material findet. Ich hätte damit jedenfalls nicht gerechnet. Es zeigt auch das die Strecke nicht vergessen wurde. Was nicht heißen soll, daß es nicht noch weiter Informationen und Bilder zu dieser Strecke und zu Stadtlauringen gäbe, die ich sicher gern zeigen würde ! Wer also hat und mag - ich würde mich freuen. Mir jedenfalls hat es mal wieder Spaß gemacht. Und wenn der Bahnhof Stadtlauringen eine Wiederauferstehung bei Ihnen als Modell feiert, dann würde es mich umso mehr freuen. Ich hoffe jedenfalls "Gelüste" solcher Art auf ein derartiges Vorhaben gemacht zu haben !

Text : Thomas Englich unter Verwendung einiger Textpassagen von Jürgen Dill.

Quellen:
Fränkische Nebenbahnen - Mittel- und Unterfranken / W. Bleiweis, E. Martin / Verlag Bufe
Die Lokalbahn Rottershausen – Stadtlauringen / J. Dinkel / Facharbeit 2000, Gymnasium Königshofen
Triebfahrzeuge der DB und ihre Heimatbetriebswerke, Stand 31.12.1958 / A. Knipping / Röhr Verlag
Bayrische Nebenbahnen / Robert Zintl / Motorbuch Verlag
Diverse Artikel in Büchern, Zeitschriften, Drehscheibe- Online,
sowie diverse eigene Unterlagen wie Kursbücher, Fahrpläne, usw.

Diese Seite ist Teil der Webseite www.lokalbahn-reminiszenzen.de