Grund für alle diese Seiten über die Gaubahn war ja eigentlich meine Begeisterung über den Bahnhof Bieberehren. Den Bahnhof lernte ich 1985 bei einer Fahrradtour durch Zufall kennen. Und die Bahnanlagen faszinierten mich sogleich, den hier hatte ich wieder einmal einen kleinen aber durchaus betriebsintensiven Bahnhof gefunden. Zusammen mit dem Bahnhof Röttingen bildeten diese zwei Stationen soetwas wie einen Anschluß- und Zugbildungsbahnhof in kleinem Rahmen. In diesen Bahnhöfen wurden Güterzüge umgebildet und Zugkreuzungen und Anschlußzüge abgewartet. Ein Blick in den Fahrplan von 1953 macht das etwas deutlicher und zeigt zugleich was hier für ein ordentlicher Betrieb herrschte. Der Güteranladung spielte in Bieberehren nicht so eine große Rolle, vorwiegend dürfte der Rangierbetrieb gewesen sein der nötig war, um die Wagen von und nach Creglingen auf die entsprechenden Güterzüge nach Weikersheim oder Ochsenfurt zu verteilen. Wobei die Güterzüge in diesem Kursbuch natürlich nicht alle vermerkt sind - es waren erstaunlich viele Güterzüge, gleich ob GmP oder Ng, die hier verkehrten. Und das noch nicht mal während des Winterfahrplans, wo die Rübenkampagne noch einige zusätzliche Züge nötig machte. Ähnlich dürfte im Personenverkehr der Umsteigebetrieb größer gewesen sein als der Bedarf des Ortes Bieberehren selbst.
Aber so klein dieser Bahnhof ist, es ist genügend Betrieb möglich. Die Züge der Relation Weikersheim - Creglingen kreuzten mit denen die von und nach Ochsenfurt fuhren. Zugkreuzungen zwischen Zügen von und nach Ochsenfurt gab es nur einmal am Tage, bzw. Abend. Aber dies ist auch klar bei einem Blick auf den Gleisplan, denn es bedurfte dazu immer des Rangierens und Weichenstellens von Hand. Gleiches gilt für die Creglinger Züge. Diese Zugkreuzungen fanden deshalb auch meist im Bf. Röttingen statt, der ja auch Einfahrtsignale besaß. Ja sogar eine eigene Stellwerksvorschrift besaß dieser Bahnhof einmal. Der Verschlussplan ist unten zu sehen. Einige Züge machten aus Ochsenfurt kommend aber auch in Bieberehren Kopf um nach Creglingen weiter zu fahren - und umgekehrt. Dies vor allem in den Vormittagsstunden.
Zuweilen, vor allem im morgendlichen Berufsverkehr kam es hier in Bieberehren regelrecht zu einem Gedränge. Dann befanden sich gleich drei Züge im Bahnhof, die einander abwarteten und die Anschlüsse nach Würzburg, Weikersheim und Creglingen herstellten. Das ging folgendermaßen vor sich - wobei ich mich auf den Fahrplan vom Sommer 1959 beziehe, dem man anmerkt, daß er im Gegensatz zu dem von 1953 schon bestrebt ist den Betrieb zu rationalisieren : Alles fängt damit an, daß zuerst ein Vt 95 als Lto 3403 - also als Leertriebwagen - vom Einsatz Bw Ansbach, bzw. Ochsenfurt kommend um 5.19 Uhr in Bieberehren ankommt und hier hält. Ob mit oder ohne Beiwagen unterwegs, ich weiß es nicht. Dieser Vt wird gleich auf das Creglinger Bahnsteiggleis umsetzen, bevor jedoch der Vt umsetzen kann, kommt der P 3427 aus Creglingen um 5.20 Uhr in Bieberehren an. Danach also setzt sich der Vt vor (!) den Zug aus Creglingen, kuppelt aber nicht an diesen. Die Fahrgäste dieses Zuges aus Creglingen dürfen nun in den bereitstehenden Vt nach Weikersheim umsteigen, oder auf den Zug nach Würzburg warten. Der kommt als nächster um 5.26 Uhr als GmP 9322 von Weikersheim in Bieberehren an. Dieser GmP war eigentlich ein Zug für den Berufsverkehr nach Würzburg, wurde aber kurzerhand zwischen Weikersheim und Bieberehren zum GmP umfunktioniert. Wenn der GmP Güterwagen für Bieberehren oder Creglingen dabei hatte, wurden diese nun abgekuppelt und festgebremst. Um 5.27 Uhr fuhr der Vt 95 als Pto 3429 nach Weikersheim ab. Um 5.32 Uhr folgte die Abfahrt des, nun seiner Güterwagen entledigten und als P 3402 geführten Berufspendlerzuges nach Würzburg. Beide Personenzüge bzw. GmP wurden übrigens von Dampflok der BR 64 gefahren. Die im Bahnhof verbliebene Zuggarnitur aus Creglingen hat nun Zeit sich um die Güterwagen zu kümmern, die der GmP mitbrachte und die noch auf dem Ochsenfurter Streckengleis stehen. Um 5.35 macht sich diese Lok mit den Güterwagen (und den Personenwagen ?) auf den Weg nach Creglingen und zwar als Ng 9338.
Dies ist nur ein Beispiel für die kuriosen Zugfolgen und Rangieraufgaben die im Bahnhof Bieberehren zu bewältigen waren. Freilich habe ich das 1985 noch lange nicht geahnt, sonst hätte ich mich etwas intensiver um den Bahnhof gekümmert. Als Vorbild für eine Modellbahnanlage jedoch ist der Bahnhof allemal interessant. Man muß nur den Platz dafür haben, denn er ist lang. Für HO zu lang (es sei denn man baut Module für Fremo) und selbst in N für mich nur mit argen Schwierigkeiten unterzubringen. Es reicht gerade für den Bahnhof Bieberehren, auf 4,20 m länge, 40 cm tiefe und mit 10° Weichen von Peco. Da wünschte man sich dann schon mehr Platz. Ein weiterführender Artikel zu dieser Strecke findet der Interessierte auch im MIBA Heft 12/1991. Sehr reizvoll dürfte es sein, bei genügendem Platz, beide Bahnhöfe, Bieberehren und Röttingen, nachzubauen. Das dürfte ein sehr interessantes Fahrdienstleiterleben werden und auch der Lokomotivführer hätte reichlich zu tun. Diese Seite ist Teil der Webseite www.lokalbahn-reminiszenzen.de |