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Die Gaubahn Ochsenfurt - Röttingen - Weikersheim
und Bieberehren - Creglingen

Einer der Bahnhöfe die ich hier vorstellen möchte ist der Bahnhof Bieberehren. Dieser Bahnhof freilich, den ich 1985 bei einer Radtour entlang des Taubertales unweit von Rothenburg o.d.T. entdeckte wäre nur unvollkommen beschrieben wenn ich nicht auch die dazugehörende Strecke etwas beschreiben würde, über die es bislang nur sehr wenig Literatur und Bildmaterial gibt. Bedanken möchte ich mich hier schon bei folgenden Bildautoren die mir weitere Fotos zur Verfügung gestellt haben : Harald Bosch, Alexander Schatz, Axel Johanßen, Dr. Achim Bartoschek und Rolf Schulze, von dem eine Gästegalerie einer Sonderfahrt mit 98 727 auf der Gaubahn stammt.

Ursprünglich wurde die Nebenbahn von Ochsenfurt aus als bayrische Lokalbahnstichstrecke nach Röttingen erbaut und betrieben. Am 30. April 1907 wurde diese Strecke feierlich eröffnet. Sie diente dem Transport der landwirtschaftlichen Erzeungnisse des so bezeichneten "Ochsenfurter Gaus", deswegen auch der Name "Gaubahn", nicht zu verwechseln mit der "Gäubahn" bei Stuttgart. Die Strecke überwindet vom Maintal bei Ochsenfurt kommend die Hügel des Ochsenfurter Gaus um über Burgerroth das Taubertal bei Bieberehren zu erreichen. Diese Strecke verlief nur durch bayrisches Staatsgebiet, bei Röttingen, dem Endpunkt verlief die Grenze zum Königreich Württemberg. Doch auch auf württembergischen Gebiet bei Mergentheim, Weikersheim und Creglingen wollte man einen Eisenbahnanschluß und so wurde durch den Bau der bayrischen Lokalbahn auch der Plan der Württemberger vorangetrieben. 1906 begannen die Planungen, nachdem die beiden Länder Bayern und Württemberg sich bereits 1905 vertraglich auf eine länderübergreifende Bahnstrecke geeinigt hatten.

Streckenübersicht
Karte aus dem DB Kursbuch zum Verlauf der Gaubahn

Die Streckenerweiterung betraf den Bahnhof Röttingen, von dem aus die Bahnstrecke nach Weikersheim verlängert wurde. Von hier strebte sie in westlicher Richtung über Tauberrettersheim zur württembergischen Grenze bei Schäftersheim und erreichte schließlich Weikersheim, wo ein Übergang an die Bahnlinie nach Bad Mergentheim bzw. Crailsheim und Lauda bestand. Zusätzlich wurde von Bieberehren aus eine Stichstrecke ins württembergische Creglingen erbaut, nicht ohne weitere Gedanken an eine verlängerung Richtung Rothenburg o.d.T., aus der freilich nie etwas wurde. Deutlich wurden die Unterschiede der länderübergreifenden Bahn auch bei den Bahngebäuden, auf bayrischer Seite waren es vorwiegend hölzerne Agenturgebäude die erstellt wurden, während es auf württembergischer Seite aufwendigere gemauerte Stationsgebäude wurden. Eröffnet wurden die Erweiterungen im November 1909.

Gleisplan Röttingen 1907
Gleisplan von Röttingen vor der Erweiterung nach Weikersheim...

Gleisplan Röttingen 1909
...und nach der Erweiterung. Jetzt mit einem Lagerhausanschluß. Der Lokschuppen wurde später durch eine Rübenverladerampe an gleicher Stelle ersetzt. Der Bahnhof besaß Einfahrtsignale (Hp0 und Hp1), weil hier planmäßige Zugkreuzungen stattfanden. Die Bahnsteige waren knapp 100m lang.

Die Fahrzeuge wurden während der Zeit von 1907 bis 1909 und auch später zumeist vom Bw Würzburg aus eingesetzt. Nach der Erweiterung aber kamen auch Lokomotiven der württembergischen Staatsbahn aus Lauda oder Crailsheim (?) zwischen Weikersheim und Creglingen auf die Strecke, so z.B. die wü. T5 (75.0). Getrennt behandelt wurden die beiden Streckenäste Ochsenfurt - Röttingen und Weikersheim - Creglingen bis in die dreißiger Jahre. Danach gingen die Strecken in die zuständigkeit der RDB Nürnberg über, was sich auch in der Folge auf den Fahrplan auswirkte. Auf der Strecke liefen u.a.: 64, 86, 98.4-5, 98.7, Vt66.9, Vt95.9 und Vt98.9, später auch V100. In den fünfziger Jahren bewältigten 64er und Vt95.9 fast den gesammten Verkehr der Strecke. Der Güterverkehr war früher sehr stark auf der Gaubahn. Der Ochsenfurter Gau produzierte große Mengen an landwirtschaftlichen Gütern aber es gab auch zahlreiche Steinbrüche in der Gegend. Andererseits brauchte der Gau beispielsweise Düngemittel und Rohstoffe. Im Personenverkehr dominierte vor allem der Berufsverkehr von und nach Würzburg. Es gab gerade im Bahnhof Bieberehren in den fünfziger Jahren interessante Zugbegegnungen und Rangiermanöver, bei denen sich auf engstem Raum mehrere Züge in dem kleinen Bahnhof aufhielten. Siehe dazu auch den Fahrplan von 1953. Mehr dazu im Kapitel über den Bahnhof Bieberehren. Der Militärflugplatz Giebelstadt erhielt 1935 einen Gleisanschluss an die nahe Gaubahn bei Gaukönigshofen. Treibstoff in Tankwaggons, aber auch Personenverkehr der Zivilangestellten rollte für die deutsche Luftwaffe. Nach Kriegsende übernahm die US Army den Platz (bis heute), beendete aber in den 1960ern die Güterwaggonzustellung. Danach wurden die Gleisanlagen demontiert. Aktuelle Fotos der ehemaligen Gaubahn und weitere Informationen hierzu siehe auf der Webseite Vergessene Bahnen von Reiner Schruft, bzw. auf den dortigen Spezialseiten zur Gaubahn.

Hinweisschild in Weikersheim
Noch 1985 in Weikersheim am Bahnhofsvordach zu entdecken...

Stillgelegt wurde 1967 der Personenverkehr zwischen Bieberehren und Creglingen, auf den restlichen Abschnitt Ochsenfurt - Weikersheim kam die Stillegung des Personenverkehrs 1974. Danach sah die reizvolle Nebenbahn Güterverkehr auf fast allen Streckenteilen, vor allem im Herbst während der Rübenkampagne wurden beträchtliche Mengen an Zuckerrüben nach Ochsenfurt abgefahren. Dies sicherte bis in die neunziger Jahre den Fortbestand der Strecke. Der Grenzquerungsabschnitt Röttingen-Schäftersheim erduldete seine Gesamtstillegung 1984, eine baufällige Brücke bei Röttingen unterbrach seit 1984 den durchgehenden Verkehr Weikersheim - Ochsenfurt.

Baufällige Brücke bei Röttingen
Die Brücke bei Röttingen die zur Streckenteilung 1984 führte.
Bild mit freundlicher Genehmigung von Harald Bosch -
siehe auch seine Webseite "Harrys neue Bahnseite"

Creglingen wurde nun ausschließlich über die Ochsenfurter Seite bedient, wobei in Bieberehren Kopf gemacht werden mußte. Dies blieb so, bis bis Anfang der 1990er Jahre die Zucherrübentransporte auf die Strasse gingen. 1992 fand die allerletzte Fahrt statt, 1993 bis 1994 wurden die Gleisanlagen abgebrochen. Zwischen Ochsenfurt und Bieberehren gibt es nun einen vielbeachteten Radwanderweg, den Gaubahnradwanderweg, der nicht ohne Aufwand entlang der alten Trasse erstellt wurde, mehr dazu auf den Webseiten von Dr. Achim Bartoschek.

Gaubahnradwanderweg
Bild von Dr. Achim Bartoschek

Zwei leider mittlerweile vergriffene Bücher von Günter Stock ("Die Gaubahn", Verlag Wingenfeld in Ochsenfurt, 1986 und "Erinnerung an die Gaubahn", im selben Verlag, erschienen 1996) erschienen bislang zur Strecke, desweiteren einige Artikel, so z.B. in der MIBA 12/1991 von Ulrich Rockelmann, im Eisenbahn Journal 11/1990 von Wolfgang Bleiweis. Dazu gab es in dem ebenfalls vergriffenem Buch "Fränkische Nebenbahnen in Unter- und Mittelfranken" aus dem Bufe Verlag einige Bilder. Im Internet gibt es nur sehr wenig zur Gaubahn. Am besten man bemüht die entsprechenden Suchseiten im Netz um zu den wenigen vereinzelten Beiträgen oder Berichten über die Gaubahn zu gelangen. Aktuell zu nennen wäre aber der sehr schöne Bildbeitrag im DSO HiFo von Volker Blees, der von einer Fotosonderfahrt im Jahre 1991 mit einem Vt95 auf dem Abschnitt Ochsenfurt - Röttingen berichtet.

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