Die Anfänge der Lokalbahn Als die Eisenbahn ins Fichtelgebirge Einzug erhielt, machte man sich auch in dem kleinen Städtchen Gefrees Hoffnungen auf einen Bahnanschluß. Wichtig war eine Bahnstrecke vor allem für die Wirtschaft in Gefrees, die sich von der Bahn Aufschwung erhoffte. Steine und Holz, aber auch Textilien, Düngemittel, Kohlen, Maschinen und anderes wollten transportiert werden. Und dann natürlich die Einwohner, die die neue Mobilität der Eisenbahn auch nicht missen wollten. Teilhabe am Fortschritt hieß die Devise. Am liebsten wäre es den Gefreesern sicher gewesen wenn die 1848 eröffnete Ludwigs Süd- Nord Bahn von Bamberg nach Hof direkt über Gefrees geführt hätte. Aber dies wäre nur mit zusätzlichen Steigungen der Hauptbahn möglich gewesen, lag doch Falls schon höher als Gefrees selber. Solche gewissermaßen verlorenen Steigungen kamen für die Hauptbahn jedoch nicht in Frage, sie hätten zu noch schwierigeren Betriebsverhältnissen und längeren Fahrzeit auf der Rampenstrecke geführt. Die "Schiefe Ebene" galt auch so nach ihrer Eröffnung 1848 als ein Meisterwerk der Eisenbahningenieure und forderte Maschine und Material alles an Leistung ab was in ihnen steckte.
Östlich von Neuenmarkt-
Wirsberg liegt die Lokalbahn, in der Übersichtskarte aus
Als Ersatzlösung wurde für Gefrees der Bahnhof "Fals" (damals nur mit einem "l" geschrieben) eingerichtet. Jedoch lag die Station 5 Km vom Ort entfernt, dies war den Gefreeser Verantwortlichen auf die Dauer nicht genug, bedeutete dies doch Umstände und Verzögerungen beim Transport. In den fünfziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts hoffte Gefrees eine Zeitlang auf eine Eisenbahnlinie Marktschorgast - Gefrees - Weißenstadt - Wunsiedel - Arzberg - Eger. Man befürwortete eine West - Ost Verbindung, entsprechend den Handelströmen der alten Handelsstrassen. 1868 schloß sich Gefrees dann dem Verein zur Entstehung einer Eisenbahn nach Eger durch das Fichtelgebirge an, der eine weitere Nord-Süd-Bahn verhindern wollte. Als am 15. Mai 1878 dann die Strecke Hof - Kirchenlaibach - Nürnberg eröffnet wurde, waren aber diese Träume einer "Fichtelgebirgsbahn" verflogen. Ebenso gab es in den sechziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts eine Zeitlang Bemühungen Bayreuths eine Strecke in nördlicher Richtung nach Hof bzw. Wunsiedel zu bauen, die dann auch Gefrees berührt hätte. Alle Bemühungen Teil einer wichtigeren Durchgangslinie zu werden aber scheiterten, zumal die Staatsregierung in Bayern der Ansicht war das alle wichtigen Bahnlinien gebaut worden waren, bzw. andere Planungen verfolgte. Auch das die Station "Fals" seit 1875 nunmehr "Falls = Gefrees" hieß änderte für die Gefreeser nichts an dem beklagenswertem Übel das sie weiterhin ohne direkten Gleisanschluß waren.
Als 1884 das erste bayerische Lokalbahngesetz beschlossen wurde, keimten die Hoffnungen in Gefrees wieder auf. Nunmehr mußten die Gemeinden den für den Bahnbau nötigen Grund kostenlos zur Verfügung stellen. Allerdings sollten die Gemeinden auch keine weiteren Kosten des Bahnbaus tragen, dafür auch nicht an evtl. Einnahmeüberschüssen der jeweiligen Bahn beteiligt werden. Dieses Lokalbahngesetz war Grundlage zum Bau vieler Nebenbahnen in Bayern, wobei auf Einfachheit, in Bau und Betrieb höchster Wert gelegt wurde. So kam es auch zu den vielfach sehr ähnlich anmutenden Gleisanlagen und Gebäuden vieler Bahnen. Kostengründe dürften letztlich auch zum Bau der Trasse nach Falls geführt haben, den diese war doch recht kurz und ohne viele Kunstbauten und damit günstig zu bauen. Damals um 1900 gab es die Eisenbahn seit knapp 65 Jahren. Nicht jedoch in Gefrees. Was das für die Wirtschaft und die Menschen damals bedeutete, kann man sich heute nur vorstellen wenn man sich überlegt, wie es wäre über Jahre hinweg vom Autoverkehr abgekoppelt zu sein. Man hatte Angst von der Entwicklung abgehängt zu werden. Wirtschaftgüter nahmen neue Wege und ließen alte Handelsstrassen veröden. So kämpfte damals jeder Ort der auf sich hielt um Zugang zu dieser Transporttechnologie, die Aufschwung und Prosperität versprach. Gefrees kämpfte lange um seinen Bahnanschluß und hatte immer wieder nur das Nachsehen. Als endlich am 30. Juni 1900 die Lokalbahn vom Prinzregenten Luipold genehmigt wurde, war ein nahezu fünfzigjähriger Kampf um einen Bahnanschluß in Gefrees gewonnen worden. Bürgermeister Schwab aus Gefrees war dabei der Hauptinitiator gewesen, er schied nach erfolgter Baugenehmigung 1901 aus dem Amt.
Ab März 1901 wurden erste Vermessungsarbeiten durchgeführt, die Bauarbeiten begannen im Frühjahr desselben Jahres und waren im Frühjahr 1902 schon soweit abgeschlossen das ab dem 28. Februar 1902 ein erster Zug nach Gefrees fahren konnte. Je Kilometer wurden damals knapp 90.000 Mark ausgegeben, insgesamt 506.000 Mark. Die beteiligten Gemeinden übernahmen davon 37.700 Mark. Zum Verständnis der damaligen Kosten hier einige Preisbeispiele der damaligen Zeit der Jahrhundertwende. Um 1900 kostete 1 Kilo Butter 1,86 Mark, 1 Liter Milch 20 Pf., 1 Kilo Zucker 65 Pf. und 1 Kilo Kaffee weniger als 4 Mark. Der Preis für eine Halbe Bier betrug vor 1914 etwa 11 Pfennige in einer ländlichen Gastwirtschaft. Dagegen betrug der Monatslohn eines Münzarbeiters im Jahre 1906 ganze 92 Mark. Ein Zimmermannsgeselle erhielt 5,60 Mark am Tag. Der Reichskanzler bekam immerhin 4000 Mark im Monat. Soweit zur Relation der damaligen Kosten des Lokalbahnbaues. Wer sich mal in der Zeit des Kaiserreiches in seinen vielen Facetten umtun möchte, sei auf die Seiten des LeMO: Lebendiges virtuelles Museum Online hingewiesen. Und nun zurück zur Lokalbahn. Die Strecke war kurze 5,33 km lang und wies eine max. Neigung von 1:43 auf (also auf 43 m Strecke 1 m Steigung). Die Trasse fiel von Falls nach Gefrees um netto ca. 48 m. Tiefster Punkt der Strecke ist der Ölschnitzgrund mit 483 m, Gefrees liegt auf 500 m Höhe, während Falls auf 548 m über N.N liegt. Die Bahn berührte nur drei Stationen in ihrem Verlauf : Falls, wo die Nebenbahn von der Strecke Neuenmarkt- Wirsberg - Hof abzweigt, Streitau, ein kleiner Unterwegshalt und dann eben Gefrees als Endbahnhof. Ein Viadukt über den Flußlauf Ölschnitz und eine Unterführung unter der Autobahn A9 bei Streitau (Eröffnung des A9 Teilstücks AK Schkeuditz AS Bad Berneck im September 1936) - das war's auch schon mit baulichen Sonderheiten.
Die Strecke war schon seit dem 1. Juni des Jahres
für den provisorischen Güterverkehr geöffnet worden
und wurde dann am 5. Juli 1902 offiziell eröffnet.
Gefrees und auch Streitau begingen diesen Tag
entsprechend festlich. In Gefrees wurde gleichzeitig auch
noch ein neues Schulgebäude seiner Bestimmung übergeben,
welches die Lokalbahn mittlerweile überlebt hat und es
fand das traditionelle Wiesenfest statt, ein großer
Festtag also. Ab dem 15. Juli 1902 wurde dann der
planmäßige Betrieb aufgenommen. Auch nachdem die
Strecke schon eröffnet war, versuchte man in Gefrees und
Weißenstadt die Nebenbahn über das Granitabbaugebiet
der "Reuth" weiter bis ins nur 10 km entfernte
Weißenstadt in östlicher Richtung zu verlängern, aber
diese Hoffnungen zerschlugen sich letztlich, da
erhebliche Steigungen dem Bahnbau im Wege standen. Die
benachbarte Nebenbahn von Münchberg nach Zell wurde
übrigens nur 3 Monate nach der Gefreeser Bahn eröffnet.
Die beiden Strecken wiesen denn auch u.a. große
Ähnlichkeiten bei den Bahnbauten auf. Eine Broschüre zur Strecke Münchberg - Zell kann man meines Wissens nach weiterhin über
den MEC Münchberg beziehen. Eine kurze Streckengeschichte ist dort auch zu sehen.
Zwar kostengünstig gebaut wie es nun einmal auf Lokalbahnen bei der K.Bay.Sts.B. üblich war, der Topographie und den geringen Baukosten geschuldet dafür aber auch mit großen Steigungen der Strecke. Und einer Streckenführung die den Gefreesern zwar den direkten Anschluß an die weite Welt bot, aber den Verkehrsströmen der Gegend um Gefrees selber nicht sonderlich gerecht wurde. Vielleicht wäre den Gefreesern ein direkter Bahnanschluß nach Münchberg, Berneck oder Bayreuth lieber gewesen. Nach Neuenmark- Wirsberg war die Verbindung zwar gut, nur bestand kaum ein Bedürfnis für eine solche Verbindung. Aber solche Kompromisse hatten viele Orte damals einzugehen wenn sie einen Bahnanschluß überhaupt bekommen wollten. Letztlich war man froh es geschafft zu haben und nun "im Zeichen des geflügelten Rades zu stehen." So entstand eine der kürzesten und steigungsreichsten Nebenstrecken in Oberfranken. Beschaulich aber kurz war eine Fahrt mit Tempo 40 durch Wiesen, Äcker und an Wäldern entlang, immer den Schneeberg und Ochsenkopf im Blick, die beherrschenden Berge der Gegend. An jedem Bahnübergang wurde geläutet und gepfiffen, die Bahnübergänge waren technisch - bis zuletzt - nicht gesichert, nur Andreaskreuze dienten der Warnung. Damals modern, später mehr und mehr einem Freilichtmuseum gleichend je mehr es der Stillegung entgegenging, war ihr Ende absehbar und auch mit etwas Wehmut verbunden...
Wer noch etwas genaueres über die
Eisenbahnhistorie des Fichtelgebirges wissen möchte, dem
empfehle ich unter anderem folgende zwei Webseiten aus
der Region, die man besuchen sollte... Weiter geht es im nächsten Teil: Der Bahnhof Falls Diese Seite ist Teil der Webseite www.lokalbahn-reminiszenzen.de |