Es gab im Bahnhof Gefrees zwei
Privatanschlußgleise, die jeweils über eine nicht
unerhebliche Nutzlänge verfügten. Da war zum einen der
Anschluß "Groß", an der Bahnhofsausfahrt
gelegen. Ein großes Holzlager, welches viel Platz am
Gefreeser Bahnhof einahm. Hier wurde einst Holz nicht nur
gelagert sondern auch bearbeitet. Eine Rollbahn gab es
auf diesem ausgedehnten Gelände, mittels derer die
Holzstämme auf kleinen Loren oder Hunten von der Stelle
bewegt werden konnten. Die Besitzer wechselten, es
siedelte sich in den Gebäuden des Holzlagers später
eine Kindermöbelfabrik an. Diese wich in den achtziger
Jahren wiederum einem modernen Raiffeisenlagergebäude,
welches der Lokalbahn noch einige Jahre weiteren
Güterverkehr bescherte. Dieses hatte auch ein
Düngemittelsilo, als separaten Metallturm. Auf einer speziellen Seite
von mir, die sich mit dem Wesen
des Landhandels und der Raiffeisen (die Baywa nicht zu
vergessen) beschäftigt, kann man etwas grundsätzliches
zum Landhandel erfahren.
Das zweite Anschlußgleis gegenüber dem
Empfangsgebäude scheint auf den ersten Blick recht lang
gewesen zu sein. Aber dies Gleis teilten sich ab den
sechziger Jahren mehrere Anschließer. Einmal ein
Kohlenhandel der nicht nur den Bedarf der Gefreeser
Einwohner sondern auch den größeren der
Industriebetriebe hier befriedigte und deshalb zeitweise
gut genutzt worden ist. Erst ende der sechziger Jahre
wurde der westlich vom alten Lager gelegene, flache
Kohlenschuppen erbaut. Dann befand sich am Ende dieses
Gleises ein Lager einer Schaumstoffabrik (erbaut zwischen
1965 und 1969) und schließlich in der Mitte seit den
dreißiger oder vierziger Jahren ein Lagergebäude, evtl.
ein Raiffeisengebäude aber vielleicht auch nur ein
weiteres Lagergebäude für Brennstoffe. Auch Baustoffe
der Firma "Münchberger" sollen hier zeitweilig
gelagert worden sein. Als die Anschlußnutzer kaum noch
Wagenladungen bekamen wurde das Gleis anfangs der
achtziger Jahre abgebaut. Insgesamt merkte man dem
Bahnhof jedenfalls deutlich an wo das Schwergewicht
seiner Aufgabe lag, nämlich beim Güterverkehr. Der Lokschuppen in Fachwerkbauweise mit Wohnanbau in Granit und Schiefer war recht kurz (13,7 m für den Lokschuppen und 9,0 m für das Wohngebäude) und ursprünglich für eine kleine Lokalbahnlokomotiven ausgelegt. Auf den Seiten des MEC Münchberg (mit weiteren Informationen zur Zeller Strecke) zu sehen: Ein Bild vom fast baugleichen Zeller Lokschuppen, daß einen vagen Eindruck zu vermitteln imstande ist. Wobei vermerkt sein soll das der Schuppen in Zell verlängert wurde, was in Gefrees nicht der Fall war.
Er wurde, nach Ende des Reisezugverkehrs 1973
abgerissen, weil hier keinerlei Behandlungsanlagen mehr
benötigt wurden. Übernachtet hatten hier seit mitte,
ende der sechziger Jahre ohnedies nur noch selten
Lokomotiven. Hier wurden in früherer Zeit die
Lokomotiven abgeölt und bekohlt und verbrachten ihre
Ruhepausen hier. Der Kohlebansen lag im Bereich der
Zufahrtsweiche zum Lokschuppen und hatte eine hölzerne
Plattform von der aus der Heizer die Körbe mit Kohle in
den Kohlebunker der Lok schüttete. Gelegentliches Rohrblasen und kleinere Reparaturen wurden hier auch getätigt. Übrigens - das Lokpersonal mußte neben den üblichen Wartungsarbeiten an den Lokomotiven z.T. auch die Pflege der Personen- und Packwagen übernehmen, man war halt flexibel und sparsam, besonders in den letzten Jahren des Personenverkehrs bei der DB. Einen richtigen Wasserkran gab es in Gefrees nicht, aber einen Brunnen zum Wasserfassen hat es gegeben. Wie in vielen anderen kleinen Bw- Außenstellen in Bayern wurde ein Pulsometer benutzt. Dabei wurde die Lokdampfheizung mit dieser Pumpe verbunden, die dann das Wasser aus dem Brunnen in einen Hochbehälter (im Wohnhausanbau im ersten Stockwerk befindlich !) drückte, von wo aus es dann in die Wasservorratsbehälter der Lok laufen konnte. Dies dürfte auch bis zum Ende des Dampfbetriebes so geblieben sein.
Leider ist von all diesen Gebäuden und Anlagen
in Gefrees so gut wie nichts stehen geblieben. Der
Verfall des Bahnhofes setzte schon ab den siebziger
Jahren ein, als immer mehr Bauten allmählich
überflüssig wurden. Die Gleisanlagen wurden
Stückchenweise zurück gebaut. Das Interesse der Stadt
und der ortsansässigen Industrie an der Strecke war
zuletzt nicht mehr so besonders groß gewesen und die
Transportmengen wiedersprachen dem nicht (2327 Tonnen in
1993, 1980 waren es noch 7230 Tonnen gewesen). Auch das
Ölschnitztalviadukt war marode und mußte alsbald
saniert werden. Kosten die sowohl die DB als auch die
Stadt Gefrees nicht gern auf sich zukommen sahen. Der
Stadtrat beschloß dann auch im Juli 1992 die Auflassung
der Bahn bei der Bundesbahn zu beantragen. Leicht ist das
wohl trotz allem nicht gefallen, war es doch eine
unwiederrufliche Entscheidung. So konnte bzw. mußte die
DB selber sehen was sie mit der Bahn machte. Und dort war
man nur zu bereit ein Stück unrentables Gleiswerk aus
den Beständen streichen zu können. Etwa 23.000 DM
wollte die DB durch die Stillegung jährlich einsparen.
Inwieweit auch die bevorstehende Verbreiterung bzw. der
Ausbau der Autobahn A9 eine Rolle bei dieser Entscheidung
spielte, vermag ich nicht zu sagen. Es wären aber sicher
Kosten für eine Verlängerung bzw. einen Neubau der
Autobahnunterführung bei Streitau entstanden, die sich
die DB angesichts der niedrigen Transportleistungen der
Lokalbahn sicher gern ersparen wollte. Und der Gefreeser
Stadtrat hätte sich an solchen Kosten auch kaum
beteiligen wollen oder können. Genug Gründe also den
Betrieb einzustellen. So wurde die Bahn denn zum 31.12.1993
endgültig und unwiderruflich stillgelegt.
Die Bevölkerung immerhin nahm doch ein klein
wenig Notiz vom Geschehen, auch weil die Lokalpresse
immer mal wieder an die fast vergessene Bahn erinnerte.
Manchen schmerzte der Anblick der Bagger die die Gleise
im Bahnhof herausrissen doch arg. Jedoch ist der
Stellenwert der Eisenbahn wenn es nicht gerade um ICE´s
oder um museale Dampflokfahrten geht, im heutigen
Autozeitalter nur noch gering. Das kann man nicht nur in
Gefrees feststellen, denn allerorten werden immer weitere
Eisenbahnstrecken stillgelegt und abgebaut um
anschließend entwidmet zu werden. Dann dürfen sich,
wenn überhaupt, meist Radfahrer auf der ehemaligen
Trasse tummeln, wie z.B. beim Gaubahnradwanderweg. Aber
zurück nach Gefrees : Das Altmaterial dort wurde
übrigens nicht per Schiene sondern per LKW
abtransportiert. Nach der endgültigen Stillegung wurden nach und nach fast alle Gebäude und Anlagen abgerissen, weil auf dem Bahnhofsgelände Gewerbebetriebe angesiedelt wurden. Zuletzt wurde leider auch das alte Empfangsgebäude im Jahre 2003 abgetragen, schon seit Jahren in privater Hand befindlich und mittlerweile in ziemlich heruntergekommenem Zustand. Heute erinnert nichts weiter als höchstens noch eine Strasse mit dem seltsamen Namen "Bahnhofsstrasse" an die gut 90 Jahre dauernde Epoche der Eisenbahnen in Gefrees, um die die Stadt einstmals so lange kämpfte. Und auch in der Landschaft wird von der alten Trasse immer mehr untergepflügt und verschwindet so aus dem Landschaftsbild. Dagegen wird das Viadukt bei Böseneck, zugewachsen und fast im Wald verschwunden, noch hoffentlich lange als eine art Denkmal von der einstigen Lokalbahn zeugen...
Markus Ruckdäschel hat mir einige Fotos vom
August, September 2004 zukommen lassen, aus denen
hervorgeht wie es dort auf dem einstigen Bahnhofsareal
aussieht. Das Empfangsgebäude ist nicht mehr, der
Güterschuppen ist ebenso verschwunden, bzw. steht
zweckentfremdet auf dem Raiffeisenlagergelände. Das hier
einmal Gleise lagen läßt sich nur erahnen. Die zwei
Lagerschuppen haben bis jetzt noch überlebt. Beim
ehemaligen Eternitschuppen ist auch noch die Rampe zum
Gleis hin vorhanden. Auch das Raiffeisenlagerhaus an der
Bahnhofsausfahrt hat die Jahre überstanden. Ansonsten
wächst Gras über die ganze Angelegenheit. Auch auf der
ehemaligen Strecke liegt schon lange kein Gleis mehr.
Auch in Gefrees gibt es bislang noch kein
Erinnerungsstück an die Bahn. Vielleicht wird ja die
alte Steintafel die beim Abriß gerettet wurde irgendwann
mal an einem passenden Ort aufgestellt. Das
Bahnhofsgelände selber wird in ein paar Jahren so
umgestaltet oder verwachsen sein das wirklich gar nichts
mehr an einen Bahnhof erinnert...
Soweit die wenig erquickliche Situation heute. Die Zeit schreitet leider unerbittlich voran, bringt Gutes oder auch weniger Gutes mit sich. Zuweilen reißt sie auch liebgewonnenes mit sich fort, an denen Erinnerungen hängen die einem zuweilen viel bedeuten können. Um so schöner wenn an manchen Orten und Plätzen Altes gepflegt und restauriert wird. Auch das Gefreeser Bockerla hätte wohl eine Chance gehabt zu einer Museumseisenbahn zu werden, aber daran hat Anfang der neunziger Jahre wohl niemand gedacht, oder die Kosten gescheut. Und natürlich kann man nicht jede Strecke, die Stillgelegt werden soll, per Deklaration zur Museumsbahn machen und retten. Jedoch wären die Kürze der Strecke und die nur wenigen Kunstbauten sicher gute Voraussetzungen gewesen um eine solche Strecke erhalten zu können. Wenigstens das alte Empfangsgebäude hätte zu einem schönen musealen Erinnerungsstück werden können, nun - alles zu spät, diese Gelegenheit wird sich niemals wieder ergeben... Weiter geht es im nächsten Teil: Fahrplan und Betrieb im Wandel der Zeit, Teil 1 Diese Seite ist Teil der Webseite www.lokalbahn-reminiszenzen.de |
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