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Der Bahnhof Gefrees, Teil 2

Es gab im Bahnhof Gefrees zwei Privatanschlußgleise, die jeweils über eine nicht unerhebliche Nutzlänge verfügten. Da war zum einen der Anschluß "Groß", an der Bahnhofsausfahrt gelegen. Ein großes Holzlager, welches viel Platz am Gefreeser Bahnhof einahm. Hier wurde einst Holz nicht nur gelagert sondern auch bearbeitet. Eine Rollbahn gab es auf diesem ausgedehnten Gelände, mittels derer die Holzstämme auf kleinen Loren oder Hunten von der Stelle bewegt werden konnten. Die Besitzer wechselten, es siedelte sich in den Gebäuden des Holzlagers später eine Kindermöbelfabrik an. Diese wich in den achtziger Jahren wiederum einem modernen Raiffeisenlagergebäude, welches der Lokalbahn noch einige Jahre weiteren Güterverkehr bescherte. Dieses hatte auch ein Düngemittelsilo, als separaten Metallturm. Auf einer speziellen Seite von mir, die sich mit dem Wesen des Landhandels und der Raiffeisen (die Baywa nicht zu vergessen) beschäftigt, kann man etwas grundsätzliches zum Landhandel erfahren.

Streckenausfahrt Gefrees Raiffeisenlagerhaus  
Raiffeisenlagerhaus Gleisanschluss
Foto von Frank Opitz
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Das neue Raiffeisenlagerhaus
Foto von Frank Opitz
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Das zweite Anschlußgleis gegenüber dem Empfangsgebäude scheint auf den ersten Blick recht lang gewesen zu sein. Aber dies Gleis teilten sich ab den sechziger Jahren mehrere Anschließer. Einmal ein Kohlenhandel der nicht nur den Bedarf der Gefreeser Einwohner sondern auch den größeren der Industriebetriebe hier befriedigte und deshalb zeitweise gut genutzt worden ist. Erst ende der sechziger Jahre wurde der westlich vom alten Lager gelegene, flache Kohlenschuppen erbaut. Dann befand sich am Ende dieses Gleises ein Lager einer Schaumstoffabrik (erbaut zwischen 1965 und 1969) und schließlich in der Mitte seit den dreißiger oder vierziger Jahren ein Lagergebäude, evtl. ein Raiffeisengebäude aber vielleicht auch nur ein weiteres Lagergebäude für Brennstoffe. Auch Baustoffe der Firma "Münchberger" sollen hier zeitweilig gelagert worden sein. Als die Anschlußnutzer kaum noch Wagenladungen bekamen wurde das Gleis anfangs der achtziger Jahre abgebaut. Insgesamt merkte man dem Bahnhof jedenfalls deutlich an wo das Schwergewicht seiner Aufgabe lag, nämlich beim Güterverkehr.

Kohlenschuppen und altes Lagerhaus Kohlenschuppen Lagerschuppen
Lagergebäude mit Kohleschuppen
Foto von Frank Opitz
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Der neuere Kohleschuppen
Foto von Frank Opitz
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Der Eternitschuppen
Foto von Markus Ruckdäschel
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Der Lokschuppen in Fachwerkbauweise mit Wohnanbau in Granit und Schiefer war recht kurz (13,7 m für den Lokschuppen und 9,0 m für das Wohngebäude) und ursprünglich für eine kleine Lokalbahnlokomotiven ausgelegt. Auf den Seiten des MEC Münchberg (mit weiteren Informationen zur Zeller Strecke) zu sehen: Ein Bild vom fast baugleichen Zeller Lokschuppen, daß einen vagen Eindruck zu vermitteln imstande ist. Wobei vermerkt sein soll das der Schuppen in Zell verlängert wurde, was in Gefrees nicht der Fall war.

Zeichnung Lokschuppen
Unmaßstäbliche Zeichnung des Lokschuppens in Gefrees, siehe auch die Grafik im Vorwort

Er wurde, nach Ende des Reisezugverkehrs 1973 abgerissen, weil hier keinerlei Behandlungsanlagen mehr benötigt wurden. Übernachtet hatten hier seit mitte, ende der sechziger Jahre ohnedies nur noch selten Lokomotiven. Hier wurden in früherer Zeit die Lokomotiven abgeölt und bekohlt und verbrachten ihre Ruhepausen hier. Der Kohlebansen lag im Bereich der Zufahrtsweiche zum Lokschuppen und hatte eine hölzerne Plattform von der aus der Heizer die Körbe mit Kohle in den Kohlebunker der Lok schüttete.

Lokschuppenstandort Warten auf Abfahrt Bahnhof 1988
Früherer Standort Lokschuppen
Foto von Frank Opitz
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Güterzug am alten Bahnsteig 1979
Foto von Günther Seidel
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Alter Bahnsteig 1988
Foto von Wolfgang Fischer
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Gelegentliches Rohrblasen und kleinere Reparaturen wurden hier auch getätigt. Übrigens - das Lokpersonal mußte neben den üblichen Wartungsarbeiten an den Lokomotiven z.T. auch die Pflege der Personen- und Packwagen übernehmen, man war halt flexibel und sparsam, besonders in den letzten Jahren des Personenverkehrs bei der DB. Einen richtigen Wasserkran gab es in Gefrees nicht, aber einen Brunnen zum Wasserfassen hat es gegeben. Wie in vielen anderen kleinen Bw- Außenstellen in Bayern wurde ein Pulsometer benutzt. Dabei wurde die Lokdampfheizung mit dieser Pumpe verbunden, die dann das Wasser aus dem Brunnen in einen Hochbehälter (im Wohnhausanbau im ersten Stockwerk befindlich !) drückte, von wo aus es dann in die Wasservorratsbehälter der Lok laufen konnte. Dies dürfte auch bis zum Ende des Dampfbetriebes so geblieben sein.

Zeitungsartikel
Presseberichte der Münchberg- Helmbrechtser Zeitung

Leider ist von all diesen Gebäuden und Anlagen in Gefrees so gut wie nichts stehen geblieben. Der Verfall des Bahnhofes setzte schon ab den siebziger Jahren ein, als immer mehr Bauten allmählich überflüssig wurden. Die Gleisanlagen wurden Stückchenweise zurück gebaut. Das Interesse der Stadt und der ortsansässigen Industrie an der Strecke war zuletzt nicht mehr so besonders groß gewesen und die Transportmengen wiedersprachen dem nicht (2327 Tonnen in 1993, 1980 waren es noch 7230 Tonnen gewesen). Auch das Ölschnitztalviadukt war marode und mußte alsbald saniert werden. Kosten die sowohl die DB als auch die Stadt Gefrees nicht gern auf sich zukommen sahen. Der Stadtrat beschloß dann auch im Juli 1992 die Auflassung der Bahn bei der Bundesbahn zu beantragen. Leicht ist das wohl trotz allem nicht gefallen, war es doch eine unwiederrufliche Entscheidung. So konnte bzw. mußte die DB selber sehen was sie mit der Bahn machte. Und dort war man nur zu bereit ein Stück unrentables Gleiswerk aus den Beständen streichen zu können. Etwa 23.000 DM wollte die DB durch die Stillegung jährlich einsparen. Inwieweit auch die bevorstehende Verbreiterung bzw. der Ausbau der Autobahn A9 eine Rolle bei dieser Entscheidung spielte, vermag ich nicht zu sagen. Es wären aber sicher Kosten für eine Verlängerung bzw. einen Neubau der Autobahnunterführung bei Streitau entstanden, die sich die DB angesichts der niedrigen Transportleistungen der Lokalbahn sicher gern ersparen wollte. Und der Gefreeser Stadtrat hätte sich an solchen Kosten auch kaum beteiligen wollen oder können. Genug Gründe also den Betrieb einzustellen. So wurde die Bahn denn zum 31.12.1993 endgültig und unwiderruflich stillgelegt.

Bahnhofsgebäude 2003 Ruine Gefrees Bahnhof Strassenseite 1991
Bahnhofsgebäude 2003
Foto von Markus Ruckdäschel
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Nur noch eine Ruine
Foto von Heinz Wolfrum
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Straßenseite des Eg 1991
Foto von Frank Opitz
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Fundstück Namenstafel 2003
Zeuge der Vergangenheit
Foto von Heinz Wolfrum
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Die Namenstafel des Bahnhofsgebäudes kurz vor dem Abriß.
Bild von Markus Ruckdäschel

Die Bevölkerung immerhin nahm doch ein klein wenig Notiz vom Geschehen, auch weil die Lokalpresse immer mal wieder an die fast vergessene Bahn erinnerte. Manchen schmerzte der Anblick der Bagger die die Gleise im Bahnhof herausrissen doch arg. Jedoch ist der Stellenwert der Eisenbahn wenn es nicht gerade um ICE´s oder um museale Dampflokfahrten geht, im heutigen Autozeitalter nur noch gering. Das kann man nicht nur in Gefrees feststellen, denn allerorten werden immer weitere Eisenbahnstrecken stillgelegt und abgebaut um anschließend entwidmet zu werden. Dann dürfen sich, wenn überhaupt, meist Radfahrer auf der ehemaligen Trasse tummeln, wie z.B. beim Gaubahnradwanderweg. Aber zurück nach Gefrees : Das Altmaterial dort wurde übrigens nicht per Schiene sondern per LKW abtransportiert.

Gleisabbau Gefrees Gleisabbau Gefrees Gleisabbau Gefrees
Gleisabbau in Gefrees
Foto von Wolfgang Bleiweis
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Baggern in Gefrees
Foto von Wolfgang Bleiweis
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Rückbau oder Raubbau ?
Foto von Wolfgang Bleiweis
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Nach der endgültigen Stillegung wurden nach und nach fast alle Gebäude und Anlagen abgerissen, weil auf dem Bahnhofsgelände Gewerbebetriebe angesiedelt wurden. Zuletzt wurde leider auch das alte Empfangsgebäude im Jahre 2003 abgetragen, schon seit Jahren in privater Hand befindlich und mittlerweile in ziemlich heruntergekommenem Zustand. Heute erinnert nichts weiter als höchstens noch eine Strasse mit dem seltsamen Namen "Bahnhofsstrasse" an die gut 90 Jahre dauernde Epoche der Eisenbahnen in Gefrees, um die die Stadt einstmals so lange kämpfte. Und auch in der Landschaft wird von der alten Trasse immer mehr untergepflügt und verschwindet so aus dem Landschaftsbild. Dagegen wird das Viadukt bei Böseneck, zugewachsen und fast im Wald verschwunden, noch hoffentlich lange als eine art Denkmal von der einstigen Lokalbahn zeugen...

Zeitungsartikel
Die Lokalpresse berichtete über die Lokalbahn

Markus Ruckdäschel hat mir einige Fotos vom August, September 2004 zukommen lassen, aus denen hervorgeht wie es dort auf dem einstigen Bahnhofsareal aussieht. Das Empfangsgebäude ist nicht mehr, der Güterschuppen ist ebenso verschwunden, bzw. steht zweckentfremdet auf dem Raiffeisenlagergelände. Das hier einmal Gleise lagen läßt sich nur erahnen. Die zwei Lagerschuppen haben bis jetzt noch überlebt. Beim ehemaligen Eternitschuppen ist auch noch die Rampe zum Gleis hin vorhanden. Auch das Raiffeisenlagerhaus an der Bahnhofsausfahrt hat die Jahre überstanden. Ansonsten wächst Gras über die ganze Angelegenheit. Auch auf der ehemaligen Strecke liegt schon lange kein Gleis mehr. Auch in Gefrees gibt es bislang noch kein Erinnerungsstück an die Bahn. Vielleicht wird ja die alte Steintafel die beim Abriß gerettet wurde irgendwann mal an einem passenden Ort aufgestellt. Das Bahnhofsgelände selber wird in ein paar Jahren so umgestaltet oder verwachsen sein das wirklich gar nichts mehr an einen Bahnhof erinnert...

Bahnhofsareal 2004 Bahnhofsareal 2004 Kohlenschuppen 2004
Blick auf das Streckenende
Foto von Markus Ruckdäschel
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Blick Richtung Bahnhofsausfahrt
Foto von Markus Ruckdäschel
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Kohlenschuppen 2004
Foto von Markus Ruckdäschel
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Kohlenschuppen 2003 Bahnhofsareal 2004  
Der Kohleschuppen 2003
Foto von Markus Ruckdäschel
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Das Bahnhofsende
Foto Markus Ruckdäschel
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Soweit die wenig erquickliche Situation heute. Die Zeit schreitet leider unerbittlich voran, bringt Gutes oder auch weniger Gutes mit sich. Zuweilen reißt sie auch liebgewonnenes mit sich fort, an denen Erinnerungen hängen die einem zuweilen viel bedeuten können. Um so schöner wenn an manchen Orten und Plätzen Altes gepflegt und restauriert wird. Auch das Gefreeser Bockerla hätte wohl eine Chance gehabt zu einer Museumseisenbahn zu werden, aber daran hat Anfang der neunziger Jahre wohl niemand gedacht, oder die Kosten gescheut. Und natürlich kann man nicht jede Strecke, die Stillgelegt werden soll, per Deklaration zur Museumsbahn machen und retten. Jedoch wären die Kürze der Strecke und die nur wenigen Kunstbauten sicher gute Voraussetzungen gewesen um eine solche Strecke erhalten zu können. Wenigstens das alte Empfangsgebäude hätte zu einem schönen musealen Erinnerungsstück werden können, nun - alles zu spät, diese Gelegenheit wird sich niemals wieder ergeben...

Weiter geht es im nächsten Teil: Fahrplan und Betrieb im Wandel der Zeit, Teil 1

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